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Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur geht es voran. Wie ist der Stand in Mittelfranken?


Von Reichweitenangst ist häufig die Rede, wenn es um E-Autos geht. Sie hält die Kunden oft davon ab, sich einen elektrisch betriebenen Pkw anzuschaffen. Auch die unstete Förderpolitik trägt zur aktuellen Flaute bei den Neuzulassungen von E-Autos bei. Allerdings ist die Reichweitenangst eher gefühlt. Denn der Freistaat peilt bis 2030 landesweit 100 000 öffentliche Ladepunkte an – auch, um die Aktivitäten der Automobilindustrie zu flankieren. Sie sollen möglichst barrierefrei zugänglich sein und die im letzten Jahr veröffentlichte Norm DIN SPEC 91504 „Barrierefreie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“ erfüllen.
Aus dem bayerischen Plan ergibt sich für Mittelfranken entsprechend der Bevölkerungsverteilung das Ziel von rund 14 000 Ladepunkten. „Der Regierungsbezirk ist auf einem guten Weg“, unterstreicht die Nürnberger Technologie- und Wissenstransferagentur Bayern Innovativ, bei der die „Kompetenzstelle Elektromobilität Bayern“ angesiedelt ist.
Ein wichtiger Treiber beim Ausbau der regionalen E-Infrastruktur ist der Nürnberger Versorger N-Ergie, der der Öffentlichkeit im letzten Jahr 200 Ladepunkte übergeben hat. So gingen beispielsweise Ladestationen in Schwanstetten, Rednitzhembach und Roßtal ans Netz. In Summe zählte die N-Ergie in Mittelfranken im November 2024 insgesamt 3 729 Ladepunkte, das waren rund 700 mehr als im Jahr 2023. Der Großteil davon sind überwiegend Normalladepunkte (AC), ein knappes Drittel sogenannte Schnelllader (DC). In diesem Jahr will die N-Ergie das Tempo beim Ausbau mindestens konstant halten.
Stadtwerke kooperieren im „LadeVerbundPlus“
Die Ladepunkte der N-Ergie sind Teil der Initiative „LadeVerbundPlus“, einer Kooperation von 68 kommunalen Stadt- und Gemeindewerken in Nordbayern. Sie wollen die Ladeinfrastruktur flächendeckend in der Region ausbauen. Über die App des Verbundes lässt sich das einheitliche Zugangssystem freischalten. Zudem profitieren Stromkunden der N-Ergie an allen Ladestationen von „LadeVerbundPlus“ von einem Rabatt. Sie betanken ihr E-Fahrzeug günstiger als nach dem regulären N-Ergie-Tarif von 48 Cent an Normalladestationen und 58 Cent an Schnellladestationen pro Kilowattstunde (bisher 54 bzw. 64 Cent). Über die Nutzung der einzelnen Standorte gibt der Nürnberger Versorger aus Wettbewerbsgründen keine Auskunft.
Die Ladevorgänge pro Ladepunkt haben sich den Zahlen von Bayern Innovativ zufolge bayernweit in den letzten fünf Jahren auf gut 300 pro Jahr verdreifacht. Dieser Durchschnittswert sagt allerdings noch nichts darüber aus, welche Ladeinfrastruktur sich schon heute verlustfrei betreiben lässt. Das hängt unter anderem von der Siedlungsstruktur, dem Mobilitätsverhalten. aber auch von der Nähe zu verkehrsreichen Strecken ab, die naturgemäß von mehr Kunden angesteuert werden.
Daher stellen Förderprogramme einen wesentlichen Treiber für den Ausbau dar, der Freistaat hat das Ladenetz bislang mit über 50 Mio. Euro gefördert. Darüber hinaus entscheidet der Standort mit über die Wirtschaftlichkeit. Schnelllader an gut frequentierten Ladeorten sind aus Sicht von Bayern Innovativ schon heute wirtschaftlich, bei einzelnen Normalladesäulen sei dies eher schwierig.
Das Bundesverkehrsministerium will bis Ende 2026 für 9 000 zusätzliche Schnellladepunkte für Elektroautos in Regionen und Städten sowie an unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen sorgen. Mit dem Programm „Deutschlandnetz“ sollen bundesweit weiße Flecken auf der Lade-Landkarte verschwinden und eine ultraschnelle Ladeinfrastruktur (HPC) aufgebaut werden. So hat die E.ON Energie Deutschland GmbH im Rahmen des „Deutschlandnetzes“ seinen ersten mittelfränkischen Standort in Rothenburg ob der Tauber in Betrieb genommen. Dort finden sich fußläufig zur historischen Stadtmauer acht E.ON-Schnellladepunkte, davon zwei barrierearme Lademöglichkeiten. Alle Ladestationen verfügen über eine Leistung von bis zu 400 Kilowatt. Damit lässt sich durchschnittlich ein E-Auto in rund 20 Minuten für die nächste Fahretappe laden.
Autor: Thomas Tjiang
Webcode: N1119