Kreislaufwirtschaft | Circular Economy
Das Rohstoffaufkommen hat sich seit 1970 weltweit verdreifacht. Deutschland nimmt dabei im Ländervergleich einen Platz an der Spitze ein. Die Ursache für den hohen Primär-Rohstoffverbrauch mit all seinen negativen Auswirkungen liegt in unserem linearen Wirtschaftsmodell. Was es braucht, ist eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft, in deren Umsetzung alle zirkulären Maßnahmen aktiv genutzt werden.
Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren und Deutschland bis 2045 klimaneutral aufzustellen. Einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen dieser Ziele soll die Kreislaufwirtschaft | Circular Economy leisten. So soll das Erreichen der Pariser Klimaziele und der Ziele des europäischen Green Deal für 2050 sichergestellt werden.
Die Kreislaufwirtschaft, auch als Circular Economy bezeichnet, ist ein Wirtschaftsmodell, das darauf abzielt, Ressourcenverbrauch und Abfall zu minimieren, indem Materialien und Produkte so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf gehalten werden. Sowohl auf der europäischen als auch auf der nationalen Ebene wird an Strategien zur Förderung der Kreislaufwirtschaft gearbeitet. Diese beziehen sich auf den Materialeinsatz und Abfälle sowie auf Produkte und deren Verpackungen.
Mit R-Strategien die Kreislaufwirtschaft fördern
Die sogenannten R-Strategien beschreiben Maßnahmen, mit denen Produkte, Materialien und Rohstoffe möglichst lange genutzt und im Wirtschaftskreislauf gehalten werden können. Dabei gilt: Je weiter oben eine Strategie in der Hierarchie steht, desto größer ist in der Regel ihr Beitrag zur Ressourcenschonung. Zu den wichtigsten Ansätzen zählen die Vermeidung von Ressourcenverbrauch (Refuse), die Reduzierung von Materialeinsatz (Reduce), die Wiederverwendung von Produkten (Reuse), die Reparatur (Repair), die Aufarbeitung und Modernisierung (Refurbish, Remanufacture) sowie das Recycling von Materialien (Recycle).
Die R-Strategien bilden die Grundlage der modernen Circular Economy und ergänzen die klassische Abfallhierarchie um Maßnahmen, die bereits bei Produktdesign, Herstellung und Nutzung ansetzen. Für Unternehmen bieten sie zahlreiche Chancen, Rohstoffkosten zu senken, Lieferketten resilienter zu gestalten und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gleichzeitig gewinnen sie durch aktuelle europäische und nationale Regelungen, beispielsweise im Bereich Ökodesign, zunehmend an Bedeutung.
Weitere Informationen finden Sie unter: Modell der R-Strategien - Normenrecherche Circular Economy - DIN (www.din.de)
Kreislaufwirtschaftsstrategien von EU, Bund und Bayern
Mit seinen hohen Wiederverwertungsquoten, seiner Vorreiterrolle bei Forschung und industriellem Know-how hat Deutschland gute Voraussetzungen, die Transformation zu einer zirkulären Wirtschaft erfolgreich zu bestehen. Offen ist jedoch, inwieweit insbesondere die mittelständische Wirtschaft auf diesen Entwicklungsprozess vorbereitet ist, und mit welchen Chancen und Risiken dieser aus Sicht betroffener Betriebe verbunden ist.
Die Umfrage „Die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Circular Economy“ geht diesen Fragen nach. Mit Unterstützung der IHKs nahmen zwischen dem im März 2024 fast 2.000 Unternehmen an der Befragung teil, 155 davon aus Mittelfranken.
Das Wichtigste in Kürze
Transformation als Chance.
Transformation zum zirkulären Wirtschaften wird von vielen Unternehmen als Chance begriffen. Unternehmen sehen besonderes Potenzial in Materialeinsparungen als Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Außerdem steigert dies die Resilienz des eigenen Unternehmens und spart Kosten.
Unter bestimmten Bedingungen.
Allerdings ist eine erfolgreiche Transformation zu einer Circular Economy an wichtige Bedingungen geknüpft: eine flächendeckende Digitalisierung, u. a. für die Einführung des Digitalen Produktpasses, ein einheitlicher europaweiter gesetzlicher Rahmen und ein funktionierender Markt für Rezyklate. Aussicht auf zusätzliche bürokratische Anforderungen und Kosten bereitet Kopfzerbrechen. Nahezu 60% der Betriebe befürchten einen erhöhten Dokumentationsaufwand bei der Transformation zu einer zirkulären Wirtschaft, was wiederum einen erhöhten Personalaufwand nach sich zieht, sowie ein verknapptes Angebot von Produktionsstoffen. Mehr als jedes dritte Unternehmen sieht darüber hinaus die Verfügbarkeit von Sekundärrohstoffen als Risiko.
Digitale Ansätze, wie der Digitale Produktpass, sind kein Selbstläufer.
Im Rahmen des Digitalen Produktpasses erhalten Produkte einen spezifischen Code, der gescannt werden kann und der es Akteuren entlang der Lieferkette erlaubt, auf Informationen zu Produkteigenschaften zuzugreifen. Diese Informationen zu u. a. enthaltenen Rohstoffen oder Reparierbarkeit sollen dabei helfen, die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und Rohmaterialien in den Wirtschaftskreislauf zurückzuführen. Auch wenn bereits jedes dritte Unternehmen digitale Lösungen zur Ressourcenschonung einzuführen plant bzw. eingeführt hat, heißt das nicht, dass die Betriebe für die Einführung des Digitalen Produktpasses bereit sind. Hierzu bedarf es eines schnellen und flächendeckenden Ausbaus der digitalen Infrastruktur. Denn nur so können Unternehmen Kapazitäten zur Datenspeicherung und -bearbeitung ausbauen. Dazu kommt, dass der „digitale Produktpass“ zum Zeitpunkt der Umfrage drei Viertel der Unternehmen noch unbekannt ist.
Bundesweite Auswertung: Kreislaufwirtschaft als Chance? (www.dihk.de)
Auswertung für Mittelfranken (www.ihk-nuernberg.de)
Ansprechpartner/in
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Dr. Marcus Seitz
Leiter des Geschäftsbereichs Innovation | Umwelt; Grundsatzfragen Innovations-, Industrie-, Technologie-, Digital-, Energie- und Umweltpolitik
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Dr. rer. nat. Ronald Künneth
Vernetzte Produktion, Automotive | eMobilität, Energiewirtschaft, Umweltberatung, Technologietransfer
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M.Sc. Katharina Boehlke
Industrie, Rohstoffe, Material- | Ressourceneffizienz
Webcode: P417