Chinesen schwenken auf Weißwein um
IHK-Webinar „Frankenwein goes China!“: Wie vermarktet man erfolgreich Wein im Reich der Mitte?


Chinesische Weinliebhaber legen Wert auf Tradition, Authentizität und Qualität. Attribute, mit denen der Franken-Wein punkten kann. Deutsche Weine gewinnen im Reich der Mitte deshalb stark an Beliebtheit. Die Weintrinker in China werden immer jünger und qualitativ hochwertiger Weißwein wird zunehmend geschätzt, zumal er sich hervorragend mit der chinesischen Küche kombinieren lässt. Dies erklärten Experten beim Online-Seminar „Frankenwein goes China!“ der IHKs Nürnberg und Würzburg.
„Mit einer klugen Marketing-Strategie und dem Ausbau digitaler Vertriebskanäle können die Winzer neue Marktsegmente in China erschließen. Dazu sind vor allem Wissen, Erfahrungen und starke Netzwerke nötig“, sagte Manuela Liebchen vom deutschen Weininstitut. Die chinesischen Weinimporte hätten sich 2024 erstmals wieder erholt, nachdem sich das Marktvolumen seit 2017 nahezu halbiert hatte. Insgesamt importierte China im vergangenen Jahr 2,8 Mio. Hektoliter (plus 14 Prozent) im Wert von 1,59 Mrd. Dollar (plus 37 Prozent). Vor allem deutsche (Weiß-)Weine waren dabei neben Importen aus Neuseeland und Australien gefragt. Bei der Liefermenge steht Deutschland auf dem sechsten Platz und gemessen am Wert auf Platz acht.
Für das laufende Jahr geht Liebchen davon aus, dass sich der Markt für deutsche Weine weiter erholen wird. Gründe dafür sind ein Anstieg des verfügbaren Einkommens und erweiterte Online-Vertriebskanäle für importierten Wein. Außerdem expandieren die großen Supermarktketten, die Wert auf importierten Wein legen, und zudem gibt es immer mehr Weinfachgeschäfte und Verkostungsveranstaltungen. Für ausländische Winzer und Weinhändler wurde der Markt übersichtlicher, weil die Zahl der Weinimporteure deutlich zurückgegangen ist und es damit nun stärkere und etablierte Akteure gibt.
Deutscher Riesling sehr gefragt
Außerdem zeichnet sich ein neuer Trend ab: Die chinesischen Verbraucher wechseln vom Rot- zum Weißwein. Der deutsche Riesling war 2024 der meistverkaufte Wein in den Supermärkten. Außerdem bevorzugen die Käufer halbsüße und leichte Weine mit niedrigem Alkoholgehalt oder sogar ganz alkoholfrei. Gefragt sind auch kleine Flaschen für Single-Haushalte. „Insgesamt erwarten die Verbraucher hohe Qualität zu angemessenen Preisen“, so Liebchen. Deutscher Riesling der Einstiegsklasse erfreue sich deshalb bei jungen Leuten und bei Frauen großer Beliebtheit.
Laut der Wein-Expertin haben in China derzeit etablierte Weinmarken besonders gute Chancen, die bereit sind, noch mehr in Markenaufbau und Marketing zu investieren. Volumenproduzenten sollten ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und mit Vertretern in China präsent sein. Außerdem sind international renommierte deutsche Weingüter gefragt, ebenso wie Boutique-Produzenten, die gerne aktiv mit ihren chinesischen Importeuren zusammenarbeiten und diese unterstützen.
Rechtliche Regeln für Weinexporte
Um den Wein ins Reich der Mitte auszuführen, sind zahlreiche Bestimmungen zu beachten. Matthias Lex, Referent Weinhandel und Zoll bei der IHK Trier, erklärte in dem Online-Seminar die Vorschriften. Fast immer sei beim Export nach China ein zweistufiges Ausfuhrverfahren nötig. Dazu müsse eine elektronische Zollanmeldung über das System „Atl@s“ erfolgen. Dafür benötigen die Unternehmen eine sogenannte EORI-Nummer, eine zertifizierte Software, die Meldung bei der Generalzolldirektion Weiden und eine Beteiligten-Identifikationsnummer (BIN). Als Begleitpapiere werden die Handelsrechnung mit den üblichen Angaben, ein Ursprungszeugnis der jeweiligen IHK, eine Packliste, die üblichen Frachtpapiere sowie produktabhängige Begleitpapiere (Nachweis über Abfülldatum, Produktionsprozess und Ähnliches) benötigt.
Auch bei den Etikettierungsvorschriften gibt es Besonderheiten. Zu den üblichen Angaben in China gehören: Produkt- und Markenname, Name, Anschrift und GACC-Registrierungsnummer des Herstellers, Ursprungsland, Name und Anschrift des Importeurs/Händlers, Zutatenliste, Nettoinhalt, Jahrgang, Abfülldatum, Los- und Chargennummer, Lagerbedingungen sowie gesundheitlicher Warnhinweis. Gemeinsam mit dem deutschen Weininstitut hat die IHK Trier ein Portal für deutsche Weinexporteure eingerichtet, auf dem man sich über die Vorschriften informieren kann (www.ihk-trier.de/weinexport).
Die Bedürfnisse der chinesischen Verbraucher skizzierte Theresa Stewart von der Agentur Storymaker in Tübingen. So sei die Bevölkerung permanent online und sehr offen gegenüber neuen Entwicklungen und Trends. Außerdem erwarten die anspruchsvollen Verbraucher einen Kundenservice rund um die Uhr, schnelle Lieferzeiten sowie besondere Aktionen wie beispielsweise Rabatte und Gewinnspiele. Social Commerce ist weit verbreitet, China hat dafür sein eigenes Internet, „das chinesische Intranet“. Unverzichtbare Social-Media- und E-Commerce-Plattformen für den Verkauf von Wein seien WeChat (die Nummer 1 Social-Media-App in China), Little Red Book (Social-Commerce-Plattform für die junge Generation), Weibo („chinesisches Twitter“), Douyin (TikTok), Tmall Global (führender B2C-Online-Marktplatz in China) sowie JD Global (mit Fokus auf Logistikeffizienz und Qualitätssicherung im Service).
Claudia Gräber von der Agentur für Lebensmittelprodukte aus Bayern (alp Bayern) plant, im Oktober 2025 chinesische Wein-Einkäufer nach Franken einzuladen. Das Projekt wird von der alp Bayern gefördert, von den teilnehmenden Winzern wird ein Beteiligungsbeitrag erhoben (www.alp-bayern.de).
Autor: Klaus Leonhard
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